Wortgarage

Er war anders



Ich begriff, dass ich Glück hatte, diesem Mann begegnet zu sein. Er war anders. Er füllte seine Konturen aus. Auf einem Bild von Michelangelo wäre er eine dieser farbigen, muskulösen Gestalten, die mit grosser Geste etwas bewegen oder festhalten, zurückweisen oder schützen - ich dagegen wäre jemand, der von irgendwoher ins Bild linst, als frage er schüchtern an, ob er eventuell dazustossen dürfe, einer, der eine Kerze hält, damit ein anderer was sieht, oder gar nur ein vager Umriss, eine Skizze, mit Kohle hingeworfen, hier und da ein paar schnelle Schraffuren zur flüchtigen Andeutung von Körperlichkeit, ein Vorschlag, den der Maler sich selbst machte, zur späteren Verwendung, den er jederzeit wieder verwerfen konnte, indem er die Stelle neu grundierte und übermalte. Faller lebte. Ich bewunderte ihn. Ich hätte ihn gern als Vater gehabt.


Thommie Bayer aus "Fallers grosse Liebe"






Diese Regenferien verführen zum Lesen ...

11.10.12 09:25

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