Wortgarage

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Nix wie bessher




ob sich dieser wunsch
erfüllen ließe
den doppelten boden zu verschenken
sich zu trennen von schwärzungen
in den lebensläufen
begleitpapiere zu vernichten
ob sich dieser wunsch
erfüllen ließe
an die kommende zeit
den wind aufzunehmen
sich den irrtümern zu stellen
denen du erlegen warst
sich auf irrwege zu begeben
deren erfahrungen du ersehnst
mit nichts im gepäck
als freude auf jeden neuen tag


Hermann Josef Schmitz




1 Kommentar 8.10.11 18:15, kommentieren

Was geht es dich an




Wenn dir mein Auge mit trunknem Entzücken
Folget, so weit es dich sehen nur kann.
Wenn deine Worte mich innig beglücken,
Wo ich sie höre - was geht es dich an?

Bist du der Stern mir, der Strahlen versendet
Auf meines Lebens umdüsterte Bahn,
Bist du die Sonne mir, die mich verblendet,
Wenn ich dir gut bin, was geht es dich an?

Bist du die Gottheit, die still ich verehre,
Zu der ich hohes Vertrauen gewann
Und ihr im Herzen errichtet Altäre -
Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?

Wenn ich nichts fordre, so mußt du es dulden,
Was ich an Opferrauch für dich ersann;
Was ich auch leide, ist nicht dein Verschulden,
Und wenn ich sterbe, so geht's dich nichts an.




Kathinka Zitz



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Und noch ein Filmtipp: SWR um 23:55 Uhr für alle Nachtschwärmer: Erbsen auf halb sechs - mit der wunderbaren Fritzi Haberlandt - sehr sehenswert.


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9.10.11 10:29, kommentieren

Vom grauen Herz




ach könnte doch das graue herz
in die oktoberwälder hinaus
sich verausgaben im farbenrausch
ach könnte es sich doch verschenken
in diesem weichen licht
zwischen vergehendem grün
und wolkenüberwuchertem blau
ach könnte das graue herz
sich doch wagen
in diese vergehende welt
hinter deren wänden bereits
der frühling seine inszenierung schreibt
ach nähme doch jemand
dieses graue herz in seine hände
streichelte es voller zärtlichkeit
und trüge es in diesem weichen nest
hinaus in diese leuchtenden oktobertage




Hermann Josef Schmitz



Wie etwas entsteht ...

Zuerst fragte mich meine liebste Herzensdame am Freitagabend nach einer Farbidee für Glasperlen.
Das waren die Farben "Vergehendes Grün" und "Wolkenüberwuchertes Blau".
Daraus entstanden dann wunderschöne Glasperlen, die in der Glasgarage zu sehen sind. Aus den beiden Wörtern entstand aber dann auch zunächst ein Kommentar zu der Poesie von Isabella Kramer aus dem heraus es einfach war, dieses Gedicht zu schreiben.

Ich wünsche Euch einen schönen Start in die Woche.

2 Kommentare 10.10.11 07:30, kommentieren

Resignative Reife




ich bin spät,
das weiß ich, ich weiß
ich bin spät dran


noch nie in diesem ganzen Leben
hat sich die Möglichkeit ergeben ...


besser spät, als
zu spät,
besser spät, als
nie


also, lieber überhaupt
wenn auch spät
als zu spät oder gar nicht


lieber nie?
es ist nie zu spät



Monika Reinfurt


1 Kommentar 11.10.11 07:15, kommentieren

Fußgängerzonen, sonntags




die versprechungen haben
geschlossen liegen lügen hinter glas
die buchhalter des glücks
rechnen sich in die neue woche
noch taumelt der lärm in der ferne
wie ein unsicheres kind




Hermann Josef Schmitz


12.10.11 06:48, kommentieren

Hasenleben




"Sie fand ein Mäuerchen. Sie setzte sich. Da war sie also wieder. In der Szenerie, aus der sie erst gerade hinausgetreten war. Das erbarmungslose Licht und die Mäuerchen - so verbanden sich die Mittelmeerländer zu einem einzigen Freizeitpark, in dem seine Besucher aus dem Norden dumm und nutzlos herumstanden, bis sie es den Bewohnern nachmachten und sich etwas verschämt ebenfalls ein Mäuerchen suchten oder eine schattige Hauswand. So bewegte man sich in dem Licht und trug zugleich in sich die Hoffnung, ihm endlich einmal zu entkommen. Die Hoffnung lag einem wie ein rauer Pfirsichkern in den Eingeweiden. In den schwachen Momenten machte sie sich bemerkbar als Schmerz im Steißbein, als Schlag auf die starren Teile des Skeletts. Und doch blieb man im Licht, betete es an, wie süchtig, als ob es einen irgendwann an einen Punkt bringen würde, von dem man noch nicht wusste, was er bedeuten sollte."


Jens Steiner aus "Hasenleben"


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13.10.11 07:19, kommentieren

Wiederkehr




leise flieht der letzte sommertag
zieht mit seinen lichtsoldaten
aufs dunkle meer hinaus
verlagert sich auf fremde schiffe
hat in seinem logbuch
die wiederkehr fest eingetragen


Hermann Josef Schmitz



Es soll noch mal leuchtend werden am Wochenende und das wünsche ich uns so und so. Liebe Grüße Euch allen, die Ihr hier lest.


2 Kommentare 14.10.11 07:07, kommentieren