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Resilienz




Wenn ein Mensch häufig in Drucksituationen ist beziehungsweise sich häufig unter Druck fühlt, kann er Stärkenorientierung wunderbar anwenden. Dazu muss er aber natürlich seine grö
ßten Stärken kennen und auch Situationen im Kopf haben, in denen er diese Stärken schon einmal angewendet hat.

Die Übung "Meine beste Seite"

Eine der effektivsten Übungen, um dies herauszufinden, ist, Menschen zu fragen, die einen gut kennen, von denen wir denken, dass sie uns ein ehrliches Feedback zu unseren Stärken geben werden und von denen man entsprechend denkt, dass sie ein ehrliches Interesse an unserer persönlichen Weiterentwicklung haben. Wir haben diese Übung "Meine beste Seite" genannt und es handelt sich um eine Abwandlung der "Reflected Best Self"-Übung des Center for Positive Organizational Scholarship der Ross School of Business in Michigan.

Wenn Sie die Übung machen möchten, gehen Sie bitte folgenderma
ßen vor:

  • Fragen Sie ein Minimum von fünf Personen aus Ihrem nahen Umfeld, ob diese bereit sind, Ihnen ein schriftliches Feedback zu geben. Dies können Vorgesetzte, Kollegen, eigene Mitarbeiter, Partner, Familienangehörige und Freunde sein. Sie entscheiden.
  • Wenn diese bereit sind, Ihnen ein Feedback zu geben, bitten Sie sie, Ihnen folgende zwei Fragen insgesamt drei Mal zu beantworten: Mit welcher Fähigkeit schaffen Sie einen großen Mehrwert und leisten Sie einen grossen Beitrag? Und: In welcher Situation hat die Person, die Ihnen eine Rückmeldung gibt, genau diese Fähigkeit beobachtet? Die Person soll Ihnen also drei unterschiedliche Stärken nennen und drei Situationen, in denen sie diese Stärken beobachtet hat. Es ist wichtig, dass die Person die Situation möglichst konkret beschreibt.
  • Sie werden am Ende von jeder Person drei Fähigkeiten und dazu jeweils eine beschriebene Situation erhalten, wenn Sie also insgesamt fünf Personen fragen, haben Sie fünfzehn Fähigkeiten und fünfzehn Situationen. Legen Sie dann alle schriftlichen Rückmeldungen nebeneinander und, es wird sicher Wiederholungen geben, suchen Sie die drei Fähigkeiten heraus, die am häufigsten genannt wurden beziehungsweise auf die Sie sich in Zukunft in Drucksituationen stärker fokussieren möchten.

 

Denis Mourlane aus "Resilienz"


Ich kenne Denis Mourlane und schätze ihn sehr. Diese Übung habe ich dieses Jahr zur Vorbereitung eines Seminars bei ihm gemacht. Sie bewegt viel und ich werde die Rückmeldungen, die ich von den Menschen auf die Fragen bekommen habe, in diesem Leben (und das ist keine Übertreibung) immer behalten. Es lohnt.

 

 

Ich wünsche Euch einen schönen und erholsamen 4. Advent und alles Gute.

1 Kommentar 23.12.12 09:51, kommentieren

Schade



"Die Dämmerung senkte sich über die neu erschaffene Welt, und es begann die erste Nacht.
Mit Siegermine, sichtlich mit sich zufrieden, mit einem Ständer, ausgebreiteten Armen kam Adam zu Eva und griff nach den schönen Brüsten seiner Gefährtin.
Die leise zurückschrak.
Schade, sagte sie, du bist so gar nicht mein Typ."



Jaques Sternberg aus "Der Uranfang" aus dem schönen Buch
"Moment! Die allerschnellsten Geschichten der Welt"







Ein schönes vorweihnachtliches Wochenende ohne solche Enttäuschungen ...

2 Kommentare 22.12.12 08:28, kommentieren

Außenseiten



„Das muss schrecklich langweilig für Sie sein“, sagte Tine.
„Ganz im Gegenteil.“ Wir prosteten einander zu. Sie musterte mich.
„Ich habe das Gefühl, Sie zu kennen.“
„Das ist ein schönes Kompliment.“
„Nein.“ Sie lachte. „So meine ich das nicht. Ich habe das Gefühl, dass wir uns wirklich kennen. Persönlich.“
Ich war wieder versucht, mich ihr zu offenbaren, aber auf die halbe Stunde kam es jetzt auch nicht mehr an.
„Wie ist es für Sie, hier in der … Schlangengrube?“
Tine lächelte ironisch, fast wie Minka. „Ich habe gedacht, es würde gruselig werden. Wissen Sie, ich zählte früher, also damals“ sie wies auf das Transparent über der Bühne, „zu den Außenseitern. Zu den Leuten, die schikaniert wurden. Von dem da und den anderen beiden“ – sie nickte in Richtung des Triumvirats – „eigentlich aber von fast allen.“
„Oh.“
„Heute, rückblickend, bin ich fast froh darüber, dass sie mir Gelegenheit gegeben haben, mich mit mir selbst zu beschäftigen, meine Stärken zu entdecken. Ich musste nicht mit einer blöden Clique rumhängen, idiotische Musik hören und Starschnitte aus der BRAVO schnippeln. Wie diese Damen dort.“
Sie zeigte auf die Sabines drei.
„Die haben heute noch nicht begriffen, worum es im Leben geht, was das Leben ausmacht“, fuhr sie fort. „Vielen anderen hier geht es ebenso. Und das … ich schäme mich fast, es zu sagen. Es amüsiert mich.“




Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlages.
Entnommen aus: Tom Liehr. Sommerhit. Roman (c) Aufbau Verlag GmbH & Co KG, Berlin 2011.
Die Originalausgabe erschien 2011 bei Rütten & Loening. Rütten & Loening ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co KG.

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18.12.12 09:35, kommentieren

Kontrast



"So eine Scholle Land, von der ich sogar leben könnte, hat doch etwas sehr Beruhigendes. Das ist ein guter Kontrast zu meinem sonst sehr extrovertierten Leben: Das Feld bestellt man nur für sich. Ohne Zuschauer, ohne Beifall."


Fritzi Haberlandt im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 08./ 09.12.2012


Und der Trailer zu ihrem neuen Kinofilm gemeinsam mit Mario Adorf:


2 Kommentare 12.12.12 09:30, kommentieren

Schlangen



"Die Sätze, die er ihm schreiben wollte, nahmen Gestalt an. Sie nahmen allerdings so schnell Gestalt an, und es waren so viele, daß er sich alsbald außerstande sah, sie sich zu merken. Sie wuchsen, und je länger sie wurden, desto weniger verstand er sie selbst, und was er selbst nicht verstand, würde Jakob erst recht nicht verstehen. Und dann schien es, als wollten sie sich selbst ausradieren. Indem sie sich überstürzten, löschten sie einander aus, ein Satz fraß den anderen, doch statt weniger wurden es mehr. Statt einiger übersichtlicher Sätze bildeten sich ganze Schlangen von Sätzen, und er wußte, daß es ihm nicht gelingen würde, sich die besten, die die verletzendsten waren, einzuprägen."


Alain Claude Sulzer aus "Ein perfekter Kellner" 




Ich wünsche Euch ein schönes, gesundes und wortreiches Wochenende.


30.11.12 09:15, kommentieren

Das bereust du nie



"Alice packte ihre Koffer an einem Nachmittag, saß dann auf dem Stuhl an Conrads Tisch lange vor dem Gästebuch, nahm schließlich den Stift in die Hand und brachte es fertig, einen Gedankenstrich aufs Papier zu ziehen, selbst das war ihr peinlich. Ein letzter Aperol auf der Terasse mit den roten Kissen, den kaltblütigen Eidechsen, dem unerträglich schönen Blick in die Gegend. Der Rumäne, seine gleichgültige, unveränderte Höflichkeit. Soll ich dich jetzt heiraten oder was, zum Heiraten sind wir doch aber viel zu alt, Alice fragte sich das und kam zu keinem Schluß. Noch einmal schwimmen gehen. Noch ein letztes Mal. Mit den Sandalen in der Hand zum kleinen Steg hin vor der Mauer, dem Tor zum verwilderten Garten. Als Alice sich auszog, ganz auszog und ins Wasser ging, vorsichtig und stolpernd auf den glitschigen Steinen, fiel ihr ein, was Conrad über den See gesagt hatte, damals, als er sie einlud, zu kommen. Er hatte gesagt, der See sei immer eiskalt, sie werde sich überwinden müssen, ins Wasser zu gehen. Er hatte gesagt, du wirst aber trotzdem ins Wasser gehen. Und du wirst es nicht bereuen. Das bereust du nie.

Wie war das zu verstehen. Und was bedeutete das für alles andere. Alice gab den Grund unter ihren Füßen auf, tauchte ein und schwamm hinaus."




Judith Hermann aus "Alice"




18.11.12 09:23, kommentieren

Offen



"In dem Moment, in dem ein Foto geschossen wird, weiß man nie, wer in den folgenden Monaten, Jahren und Jahrhunderten dieses Bild in Händen halten wird. Welche Reaktionen wird das Foto hervorrufen, und wie wird es auf das Leben der Leute rückwirken?"


David Foenkinos aus "Größter anzunehmender Glücksfall"





12.11.12 07:19, kommentieren