Wortgarage

Fremdgedichte

Morgens und abends zu lesen


Der, den ich liebe,
Hat mir gesagt,
Daß er mich braucht.


Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte.


Bertolt Brecht


Ich wünsche Euch einen leuchtenden 1. Advent und einen Stern, der Euch durch die Zeit trägt.


1 Kommentar 2.12.12 09:24, kommentieren

Kluge Sterne



Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug, sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.



Heinrich Heine

28.11.12 08:04, kommentieren

Vom Schwimmen in Seen und Flüssen


Im bleichem Sommer, wenn die Winde oben
Nur in dem Laub der großen Bäume sausen
Muß man in Flüssen liegen oder Teichen
Wie die Gewächse, worin Hechte hausen.
Der Leib wird leicht im Wasser. Wenn der Arm
Leicht aus dem Wasser in den Himmel fällt
Wiegt ihn der kleine Wind vergessen
Weil er ihn wohl für braunes Astwert hält.


Der Himmel bietet mittags große Stille.
Man macht die Augen zu, wenn Schwalben kommen.
Der Schlamm ist warm. Wenn kühle Blasen quellen
Weiß man: Ein Fisch ist jetzt durch uns geschwommen.
Mein Leib, die Schenkel und der stille Arm
Wir liegen still im Wasser, ganz geeint
Nur wenn die kühlen Fische durch uns schwimmen
Fühl ich, daß Sonne überm Tümpel scheint.


Wenn man am Abend von dem langen Liegen
Sehr faul wird, so, daß alle Glieder beißen
Muß man das alles, ohne Rücksicht, klatschend
In blaue Flüsse schmeißen, die sehr reißen.
Am besten ist´s, man hält´s bis Abend aus.
Weil dann der bleiche Haifischhimmel kommt
Bös und gefräßig über Fluß und Sträuchern
Und alle Dinge sind, wie´s ihnen frommt.


Natürlich muß man auf dem Rücken liegen
So wie gewöhnlich. Und sich treiben lassen.
Man muß nicht schwimmen, nein, nur so tun, als
Gehöre man einfach zu Schottermassen.
Man soll den Himmel anschauen und so tun
Als ob einen ein Weib trägt, und es stimmt.
Ganz ohne großen Umtrieb, wie der liebe Gott tut
Wenn er am Abend noch in seinen Flüssen schwimmt.




Bertolt Brecht


Jimi Hendrix wäre heute 70 geworden ...



27.11.12 09:17, kommentieren

Novemberstille



die Farben
schweigen
einzig das Tropfen
der Bäume
klingt grau



Isabella Kramer



Aus "weniger bis meer" - Gedichte




1 Kommentar 24.11.12 08:56, kommentieren

Es regnet



Im Herbst
sind die Häuser
heimatlos


In welches
verirrst du dich


Du redest zur Wand
über den Frühling


Das Fenster spannt auf
einen Regenbogen


Kommen die Fremden
suchen Wohnung
ihre nassen Schritte
klopfen an deinen
Puls


du redest zur Wand
über den fremden
Frühling


Es regnet



Rose Ausländer


20.11.12 06:40, kommentieren

Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt



Jaguar
Zebra
Nerz
Mandrill
Maikäfer
Ponny
Muli
Auerochs
Wespenbär
Locktauber
Robbenbär
Zehenbär



Christian Morgenstern


Ein schönes, kreatives und leises Wochenende wünsche ich Euch.

2 Kommentare 16.11.12 07:21, kommentieren

Reue



Die Tugend will nicht immer passen,
Im ganzen läßt sie etwas kalt,
Und daß man eine unterlassen,
Vergißt man bald.

Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
Der von vergangnen Zeiten träumt,
An die Gelegenheit zum Laster,
Die er versäumt.



Wilhelm Busch


14.11.12 06:41, kommentieren