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Späte Wärme



es ist die flut
der letzten sommerträume
die die novemberpromenaden
noch mal in voller pracht
zum leuchten bringt
es sind die bergkämme
die weich gefiedert
wie zu einem letzten gefecht
die nachtkühle sperren
es ist die späte wärme
sonnengebleichter mauern
die mein empfinden notdürftig kleidet



Hermann Josef Schmitz

1.11.12 14:00, kommentieren

Gift



„Ich sag dir, was ich über meinen Vater weiss. Es ist wenig genug. Dann gehst du.“
„Aber …“‘
„Wir zwei sind Gift füreinander, Severin.“
Als er später die Tür hinter sich zuzog, fragte er sich noch immer, was sie gemeint hatte.

 


Urs Augstburger aus "Schattwand"





Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und leise Zeiten. Den Spanienreisenden einen guten Flug und schöne Tage.

Morgen trifft man uns hier:

 

2.11.12 07:24, kommentieren

Feuer



nachts zündest du
feuer in weißen räumen an
deine augen flackern unbestimmt
nichts mehr braucht worte
nur laute atemzüge
formen den augenblick

 

Hermann Josef Schmitz


3.11.12 07:42, kommentieren

November



Grau verwirrt der leere Wald.
Mit tausend blauglühenden Ätheraugen,
Hoch durch schwarzen Fichtenbehang,
Irren Heere blauer gigantischer Blüten.


Von fremden Dolden,

Niemand hat je sie belauscht,
Blüht jeder Morgen im Grase
Eisigen Samen.


Graue Frauen,

Die lautlos im Reigen kamen,
Sind lautlos gegangen.
Der Bleichen Juwelen
Strahlende Fäden
Irisgrün, irisgolden,
Hangen an allen Zweigen.


In nackten Kronen singen

Wachszarte Ströme der Sonne.
Um bloße Säulen,
Auf weißen Schwingen kreist
Einäugig ein Aar,
Das Schweigen.




Max Dauthendey





4.11.12 08:47, kommentieren

Abgeschminkt



dann bleibt die angst
wie ein bleiernes gefäss
das du durch den tag schleppst
zwischen den entscheidungen
die zu treffen wären
auch wenn die luft knapp wird
willst du dich unvermindert anstrengen
wirst du nicht von den ordnungen abkommen
die dir niemand nehmen kann
(auch du selbst duldest dir keinen erlass)
dann bleibt die angst
was kommen wird
und die zukunft
die sie deinen gedanken entnehmen wollen
ist ein unklares gefäss
noch willst du bleiben
auch wenn die unruhe
keinen deut weniger gefährlich
bleibt wie die angst




Hermann Josef Schmitz

1 Kommentar 5.11.12 06:41, kommentieren

Einsamkeit


Wie sollten wir es nicht schwer haben?
Und wenn wir wieder von der Einsamkeit reden, so wird immer klarer, daß das im Grunde nichts ist, was man wählen oder lassen kann. Wir sind einsam. Man kann sich darüber täuschen und tun, als wäre es nicht so. Das ist alles. Wieviel besser ist es aber, einzusehen, daß wir es sind, ja geradezu, davon auszugehen.


Denn im Grunde, und gerade in den tiefsten und wichtigsten Dingen, sind wir namenlos allein, und damit einer dem andern raten oder gar helfen kann, muß vieles geschehen, viel muß gelingen, eine ganze Konstellation von Dingen muß eintreffen, damit es einmal glückt.


Rainer Maria Rilke

1 Kommentar 6.11.12 07:21, kommentieren

Hingabe


ich trage die zeit
aus dem weißen zimmer
und lege mich willenlos
in deine atemfuge


Hermann Josef Schmitz


7.11.12 07:23, kommentieren