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Die Haushälterin




"Ich glaubte damals, daß Männer sich von Zeit zu Zeit an einen Tisch setzten und alles miteinander besprachen. Ich hatte das Gefühl, ein solches Gespräch stehe kurz bevor. Aber wir standen um vier Uhr morgens im dunklen Flur, in unseren Pyjamas; ich dachte an seine nackten Füße, an sein Brusthaar oben am Kragen, und plötzlich war er nicht mehr mein Vater, sondern ein Fremder, und ich wollte weg, zurück in mein Zimmer, durchs Fenster nach draußen und über den Zaun."


Jens Petersen aus "Die Haushälterin"



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1 Kommentar 1.7.12 08:13, kommentieren

Wie kann man überleben




wie kann man
zwischen all den experten
überleben
wenn auf unzähligen gipfeltreffen
eine entscheidung
die nächste überstimmt
wie will man
zwischen all den würdenträgern
überleben
wenn die taktik
von anderen bestimmt wird
und unverlässig bleibt
wie will man
zwischen all den strippenziehern
überleben
die hinter jedem ihrer pläne
einen anderen im köcher tragen
mit dem sie dich verraten
wie will man überleben
in dieser zeit


Hermann Josef Schmitz

2.7.12 07:18, kommentieren

Unternehmen



"Der Zorn auf das Ungerechte genügt nicht, man muss ihn auch nutzen und etwas unternehmen, das ist Leben."


Erich Fried


Und hier eine kleine Übersicht über die in letzter Zeit bei mir angekommene Musik von Powerfrauen jeder Art. 

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1 Kommentar 3.7.12 06:51, kommentieren

Gängeln




wenn der vorhang fällt
haben sie neue verbotsschilder aufgestellt
die bewegungen an neue leinen gezwängt
wenn der vorhang fällt
bleiben dir die worte im hals stecken


Hermann Josef Schmitz

4.7.12 06:33, kommentieren

Per Sempre



Senza niuna impazienza sognerò
Mi piegherò al lavoro
Che non può mai finire,
E a poco a poco in cima

Alle braccia rinate
Si riapriranno mani soccorrevoli
Nella cavità loro
Riapparsi gli occhi, ridaranno luce,
E, d'improvviso intatta

Sarai risorta, mi farà da guida
Di nuova la tua voce,
Per sempre ti rivedo.



Giuseppe Ungaretti



Es gibt einige namhafte Übersetzungen zu diesem Gedicht, die ich hier in Kürze einstelle.

5.7.12 07:32, kommentieren

Freude




noch ist dieses grün
nicht bis zur vollendung gereift
noch reift die blaue weite
bis zur vollkommenheit
bald wirst du in die tiefen wälder gehen
die stille aus dem behüteten nest tragen
bald wirst du zu den tiefen brunnen gehen
die sehnsucht des langen wartens stillen
und sicher sein für das was kommt





Hermann Josef Schmitz


Ein herzvolles, nährendes, liebevolles und genussreiches Wochenende für Euch.



6.7.12 06:39, kommentieren

Nichts



"Wenn das da wirklich etwas bedeutet hat, dann hättet ihr das doch wohl nicht verkauft?" beendete Pierre Anthon seine Tirade und deutete auf den Berg aus Bedeutung.

Pierre Anthon hatte gewonnen.
Aber dann machte er einen Fehler.
Er wandte uns den Rücken zu.



Janne Teller aus "Nichts"

Nichts-von-Janne-Teller



Starkes, nachdenkliches, aber auch erschütterndes Buch. Manchmal stockte mir der Atem ob der Dynamik, die eine einzige Aktion erzeugen kann.

1 Kommentar 7.7.12 07:31, kommentieren