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Honig und Feuer


 

du liefst die
wälder entlang
kurz vor dem tag

schwebte nebel
wie seide über
die ufer der felder
im erwachen
leuchteten die schweren bäume
wie honig und feuer

die wege führten
zu unberührten gärten

aus glut
du liefst die
wälder entlang
am rande des flusses

die letzten spiegelsterne
waren erloschen

der wind
zäumte sich

zu seinem ritt
in den tag
auf blauen dächern
verzagten die schatten

kletterte der tag
aus seinem gehäuse




Hermann Josef Schmitz


oktober 06


Was für ein Leuchten im Oktober.


oktober 04



Steinufer der Emme.

1 Kommentar 1.11.11 08:55, kommentieren

Liebesnähe




"Er hört diese Stimme und hält still, er regt sich nicht, sondern bleibt in seinem Versteck. Er weiß genau, dass diese Stimme Jule gehört, und er weiß, dass sie Katharina jetzt von ihren Geheimnissen erzählen wird. Er hält sich die Ohren zu, er will das jetzt auf keinen Fall mitbekommen, aber er bemerkt sofort, dass die Stimme anscheinend erstirbt oder aussetzt, jedenfalls ist schon bald kein Geräusch mehr zu hören."


Hanns-Josef Ortheil aus "Liebesnähe"



9783630873039


2.11.11 07:20, kommentieren

Modern



 
schlangen fressen sich
durch die maskierten städte
an kaufhauswänden
stehen rezepte zum unglücklichwerden
von flachbildemporen schreiben sie
verführungen in die verdunkelten tage
einzig die ertragsquoten zählen
dafür geben sie alles




Hermann Josef Schmitz

3.11.11 07:24, kommentieren

Pause




"Warten. Pause", sagte Jarl. "Warten, was geschieht. Ob überhaupt etwas. Wie die Zeit verstreichen wird, die dem Bild gehört. Alles, worauf es ankommt, das sind die Pausen. Dunkle, geheimnisvolle Höhlen, in denen sich versteckt hält, was anders zu bleiben vorhat. Was sich nicht einfach untermischen läßt. Da beginnt es interessant zu werden. Filme, die es sich zu machen lohnt, organisieren Pausen. Sie tun, als ob sie Aktionen feierten, und packen damit doch nur die kostbaren Pausen ein.
Für sich gibt es sie allerdings nicht - auch das ist eigentlich aufschlußreich. Erst das, was sie nicht sind, ihr Gegenteil, macht sie möglich. Das ganze Getöse und Getümmel drum herum, das sie nährt und umspült. Sonst sind sie nicht vorhanden. Man kann ja nicht einfach alles sein lassen, so entsteht keine Pause, sondern gar nichts."


Lars Brandt aus "Gold und Silber"




010_313_488


Habt ein schönes und erholsames Wochenende.

1 Kommentar 4.11.11 07:29, kommentieren

Warum ?




sie reden viel
ohne auf die bedeutungen
zu achten und
wundern sich
wenn das gleichgewicht
ums leben kommt



Hermann Josef Schmitz


Musik heute einmal mehr von BAP mit unbekannten Grüßen an den schwer erkrankten Wolfgang Niedecken. Die Qualität ist nicht so gut, aber das Konzert vor dem Dom in Köln war erste Sahne.






5.11.11 08:36, kommentieren

Sonnenküsse




Es ist vor allem die Sonne, meine Liebe, die sich im Winter für eine Seite entscheidet und so im Obertoggenburg wirtschaftliche Schwerpunkte setzt. Morgendlich aufsteigend, erweist sie zwar vorerst beiden Seiten ihre Gunst, leckt kleinzüngig Zauber an eisbeschlagene Gipfel, bringt frostbesetzte Felsenberge mit kleiner Glut ins Lodern, versieht riesige Felsenmassen mit demselben lichten Streifen Ahnung, schiebt bläuliche Schatten ins Dunkelblau und nach Westen ab, gewinnt nun aber, gro
ße Lasten schleppend, schwergewichtig gegen Mittag kriechend, nicht mehr groß an Höhe, übersteigt bald keine Krete mehr, wirft, da ihr sieben Churfürsten bald zackig vor Augen stehen, wirft, da ihr sieben Churfürsten sieben Dornen im Auge sind, lange, länglich kühle Schatten ins Tal. Unablässig neckisch aber leckt sie mit letzter langer dünner Zunge auf der anderen Talseite, der Alpsteinseite, Schnee, züngelt sich bis ans Grau, Braungrün vor, leckt Flecken ins Weiß, holt früh ein bißchen Frühling her. Das ist es, was die schwerbeladene, sich im Dunstschleier kleidende Sonne durch Schattenzacken an die Sonnenseite spricht: Weiche, erweiche Dich, soviel Kraft, entfaltet in der Sprache der Sonne, soviel Zunge wünsch ich mir, es sind Küsse, reine Küsse, die die Sonne der Sonnenseite schenkt und widmet, und deshalb sind dort die Häuser heiterer gestreut als auf der Schattenseite, deshalb lebt es sich auf der Sonnenseite milder, Schönenboden, Heiterswil, Frohmatten heissen die geküßten Flecken.


Peter Weber




112_einseitige_geschichten_sammlung_luchterhand_band_62000

2 Kommentare 6.11.11 13:19, kommentieren

Winterzeit




am fenster
füllt das licht
das unbekleidete glas
wieder mehr


Hermann Josef Schmitz




2 Kommentare 7.11.11 07:21, kommentieren