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ständig




in einem zustand sein
in einem anderen zustand sein wollen
im anderen zustand sein
zurück wollen
zurück
in einem anderen zustand sein
in einem anderen zustand sein wollen
in einem ausweglosen zustand
ausweglos unzuständig
für den ausweg zuständig sein
in einem zustand


Michael Lentz



Ich wünsche Euch ein Wochenende, für das Ihr selbst zuständig sein könnt.


1.7.11 07:06, kommentieren

Nur für Dich




heimlich wachsen
ohne große worte
einfach ein bisschen wachsen
zwischen den zeilen
luft holen und etwas tun
von dem du nicht glauben kannst
das es möglich ist
und heimlich wachsen
nur für dich




Hermann Josef Schmitz



2 Kommentare 2.7.11 07:50, kommentieren

Nähren




"Die Seele nährt sich von dem, an dem sie sich freut."


Augustinus



Herzlichen Glückwunsch liebe Beate zu Deinem heutigen besonderen Tag, viel Gutes im kommenden Jahr und Menschen und Erlebnisse, die Dich nähren.



juni 03

2 Kommentare 3.7.11 10:25, kommentieren

Müde




dem tag die letzte strähne
aus der stirn streichen
das licht löschen
nicht mehr nachdenken
was man hätte anders machen können
nichts mehr machen
die gedanken beruhigen
und ins regal stellen
in sich ankommen
und müde werden
nach einem langen tag




Hermann Josef Schmitz


3 Kommentare 4.7.11 07:25, kommentieren

Das schwarze Schaf




Früher sprach mein Vater immer
Wenn wir Schäfchen sahen:
Guck da kommen deine Brüder
Ich sehe Schafe gern
Denn sie haben sowas Sanftes
Wie von einem anderen Stern
Unschuld steht da auf dem Feld
Und die Mäuler sehen aus wie zugenäht
Wenn das meine Brüder sind
In Ordnung
Bin ja selbst ein schwarzes Schaf
Töricht aber brav.



Hanns Dieter Hüsch


08664850Z


Und hierauf bin ich in diesen Tagen besonders stolz ... 6 Studenten unseres Hauses gewinnen einen renommierten AWARD.





3 Kommentare 5.7.11 07:31, kommentieren

Sommertraum




ein horizont voll sommergras
und tausend reife bäume
im warmen abendlicht
ein wolkenschiff fährt regen in die ferne
von land zu land ein herzensgruß
und wortgewandte küsse
du träumst voll sehnsucht von der zeit
die leicht sich in die weite schreibt



Hermann Josef Schmitz



6.7.11 06:58, kommentieren

Gedichte




Erst als ich durch die finstere Zuidbuurt zurückradelte, dort, wo mich keiner sah, in der Höhe der Schleuse, wo ich Hebe immer überholt hatte, schluchzte ich meinen Kummer hinaus, obwohl ich mich, so dunkel es war, dafür schämte. Zwischen dem mannshohen Sumpfziest und der duftenden Minze habe ich mich sogar ans Wasser gesetzt, um zur Ruhe zu kommen. Dabei fragte ich mich die ganze Zeit, warum ich so große Trauer über den Verlust eines Mädchens empfand, das meiner Ansicht nach nicht einmal gut genug war für meinen besten Freund. Ich konnte nicht aufhören, das schönste Gedicht zu flüstern, das ich kannte, und das beruhigte mich. Ich kann jedem nur empfehlen, Gedichte auswendig zu lernen und sie sich in den unmöglichsten Situationen aufzusagen. Sie erweisen sich als Beschwörungen, als Zaubersprüche, um sich selbst zu beruhigen. Mich munterte es dort bei der Schleuse enorm auf, Rilke zu zitieren. Es war, als sagte ich damit zu mir selbst: "Du kannst sie zurückgewinnen, irgendwann einmal, auch wenn Jahre darüber vergehen."


Maarten 't Hart aus "Der Schneeflockenbaum


der_schneeflockenbaum

2 Kommentare 7.7.11 09:43, kommentieren