Wortgarage

Archiv

Seite an Seite




Hand in Hand gehen,
ohne den eigenen Weg zu verlieren,
einander annehmen,
ohne sich selber aufzugeben,
in einem Meer aus Herzensnähe baden,
ohne darin zu versinken.



Jochen Mariss



1 Kommentar 1.12.10 20:39, kommentieren

Wie es kommt




die graumilch
der entblößten tage
voll bitterem geschmack
die aufgerissenen schneewolken
hinter leeren wortreihen
sitzen die verletzungen
wie lautlose hunde
am eingang der unsicheren häuser
es wird kommen wie es kommt
weißt du nicht
und bleibt dir vergessen




Hermann Josef Schmitz



2.12.10 07:04, kommentieren

Wachen




Und ich wache vor unserer Liebe/
Denn ihre Küsse sollen Knospen bleiben./


Aus einem Brief von Else Lasker-Schüler an Franz Marc vom 23.12.1915


3.12.10 07:00, kommentieren

Grand ohne vier




nach langer zeit
als wir endlich alle tricks durchschaut hatten
schlugen wir dich mit deinen eigenen kniffen
du wusstest nicht
ob du das gut finden solltest
es blieb dieser zwiespalt
und das kurzfristige ärgernis
aber es war nur ein spiel
nicht mehr und nicht weniger
und doch war es oft das leben
im müden licht der wohnküche
wenn das tagwerk erledigt schien
nie sprachst du über das
was du für uns spürtest
und heute vermisse ich das manchmal
ein grand ohne vier
mit dem herzschlag
der schneller geht vor dem start
und dem atem hinterher
wenn man ein schier unglaubliches spiel
gewonnen hat
manchmal vermisse ich das heute
denn das war ja nicht nur spiel
vielmehr ein leben
hinter der oberfläche von zweiunddreißig karten
und dem zusammensein
das sich nie wirklich in worte fassen ließ



                                                           für P.



Hermann Josef Schmitz



 

2 Kommentare 4.12.10 09:47, kommentieren

Fallen




"Sie lauschte seinen Worten, sah die Umrisse seines Körpers, seine Bewegungen in dem schmutzig grauen Morgenlicht. Aber vor allem sah sie, dass er auf sie zukam, und das war gut so, denn sie fiel, es ging um Sekunden."



Aus "Hitzewelle" von Anne B. Ragde


Anmerkung: Hinterher habe ich festgestellt, dass es der 3. Teil einer Trilogie ist, deren vorangegangene Teile ich (noch) nicht kenne. Das macht es schwierig. Die Typen im Buch sind skurril, die Situationen verschroben und eigenwillig.

 

51PPCh3ukWL__SL500_AA300_

1 Kommentar 5.12.10 09:28, kommentieren

Leben




am ende des tages
fällt alles auf dich zurück
dem du eine bedeutung
gegeben hast
dem brüchigen schneefalter
den fensterrosen
dem aufstieg der blutflüsse
mitten ins herz
und während du noch
nach dem leben suchst
findet es statt
ohne dich weiter zu fragen



Hermann Josef Schmitz




6.12.10 06:00, kommentieren

Wollen




Nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen

 

In dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von außen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders

 

Und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer
und ohne Ausatmen trinken

 

Aber zwischendurch Abstand suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann dich weiterküssen




Erich Fried



7.12.10 07:20, kommentieren