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Von der Angst




als wäre
die angst
beständig verreist
ist die angst
ständig vor ort
sie kauert
in einer windung
aber du
sollst sie nicht füttern





Hermann Josef Schmitz




1.7.10 06:56, kommentieren

Ohne Titel




Sommerabende, ihr lauen,
Bettet mich auf eure Kissen,
La
ßt in Fernen, dunkelblauen,
Meiner Träume Wimpel hissen.


Stunden, die am Tag sich placken,
Feiern nächtlich froh verwegen,
Und ich fühl um meinen Nacken
Zärtlich sich zwei Arme legen.


Ist die Seele liebeswund?
Hei
ß
ren Atem haucht der Flieder,
Und der rote Himmelsmund
Neigt sich üppig zu mir nieder.




Klabund




juni 22 




Habt ein genussreiches Wochenende und feiert den Sommer.





3 Kommentare 2.7.10 06:50, kommentieren

Flechten



laut und schwer der atem
dieser ungewissen tage
an denen sich nichts entscheidet
diese machtlosigkeit
die deinen gang
durch die sommerstunden lähmt
aber unentwegt flicht sich
die liebe über das herz
wenn du das brot schneidest
den tränen widerstehst
wenn du den tisch deckst
auf deiner strasse bleibst
wenn du zu dir schaust
über die unordentlichkeit hinweg denkst
flicht sich die liebe
wie kühlendes efeu
über dein haus





Hermann Josef Schmitz



Geburtstagsmusik von Tocotronic: Tag ohne Schatten.
Lass es Dir gut gehen.


2 Kommentare 3.7.10 11:09, kommentieren

Es ist alles da




"Eine meiner tatsächlich schwersten Aufgaben war dann die Joanne bei "Verlorene Zeit". Weil ich Aggression bis dahin nicht kannte. Ich hatte in mir noch nicht entdeckt, das ich wütend sein kann und rausschleudere. Aber ich habe von dieser Figur gelernt und bin seitdem überzeugt, dass jeder Mensch in sich alles auffinden kann. Es ist alles da."

Auszug aus Interview der Süddeutschen Zeitung vom 3./4. Juli 2010 mit Eva Mattes



Und nachfolgend einige teilweise andere Eindrücke aus Köln, wo wir gestern mit ganz vielen Auszubildenden das Musical "Hairspray" gesehen haben ... es war ein wunderbarer Tag.



kölm 01

 

Mehr zu Carl-Heinz Chargesheimer: hier

 

köln 02

 

 

köln 03

 

 köln 04

 

 

köln 05

 

 

köln 06

Mehr zu Hairspray: hier



4.7.10 12:52, kommentieren

Abend am Rhein




leise schlendert
der grosse fluss
am ufer entlang
vertraut seine bewegungen
verschluckt lichtworte
legt sich ein letztes mal in form
vergänglich nicht machbar
das goldene vlies
in der ferne nachtblau
bald zünden die sterne ihr licht
unverkennbar die wälder
an der biegung
unübersichtlich der tag
ohne antworten
morgen trägst du
die fragen wieder und wieder
morgen bist du
ein zahlenwerk für sie
berechenbar
reduziert bleibt nichts
von dem übrig
was einmal anders war





Hermann Josef Schmitz





rhein 01


 rhein 02


 rhein 03


 rhein 04


 rhein 05


 rhein 06



2 Kommentare 5.7.10 07:47, kommentieren

Juli und August




Juli und August sind so:
aus einem Gehölz
wird ein Brunstbusch
und der Wald schweiget nicht,
knistert tödlich. Und alternativ
wächst es an kühlen Stellen,
völlig dunkel und schön feucht
vor augenblicklicher Stille.
Die stimmt nicht.
Denn still ist nasser Boden,
wo irgendwas rostet, nur,
wenn du die Hand
nicht dazwischen bringst.
Sofort macht sich etwas davon,
das du nicht kennst:
ein geringer Schleier,
der lebt.
Und Juli, August bleiben oben,
weit über Baumkronen,
mit Düsenstreifen als Zirrus
am Horizont überall
und dem Ächzen von Organismen
neben dir,
die fruchtbar sind
und sterben.






Karl Krolow






6.7.10 06:46, kommentieren

Julinächte




keine laternen
an der rändern
der strassen
warme düfte
bleiben stehen
in einsamen julinächten
schlaflos die blassen sterne
sehnt sich das herz
ein bisschen mehr
hinter dem gesprochenen wort
viel mehr als du sagen magst
sehnt sich das herz
und sehnt sich viel mehr
nach dem anderen





Hermann Josef Schmitz



7.7.10 06:26, kommentieren