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Wunsch für dich




ich wünsche dir
du könntest spielen
leicht sein
dich mit deinen säumen
an gedankenlose tage schmiegen
und wünsche dir
du könntest ohne suche sein
dich mit deinen träumen
an die ufer neuer meere legen
und könntest sein
und könntest lauschen
könntest spielen
und in dem leben
in dem einen
deinem leben dir bedeutend sein

 





Hermann Josef Schmitz



mai 16 



1.6.10 08:22, kommentieren

Der blaue Fisch



bach der schönen kiesel
komm her
doch triff mich nicht
kann nicht mehr fort
            wieg viel zu schwer
            wieg viel zu schwer


hast mir den blauen fisch
gezeigt
der kam vom meer
kann nicht mehr fort
            wiegt viel zu schwer
            wiegt viel zu schwer


was willst du tun
mit ihm mit mir
das blaue herz
wiegt viel zu schwer
            und will weit fort
            und will weit fort





Elisabeth Borchers




2.6.10 07:08, kommentieren

Abschied




im dunklen nachmittagszimmer
wenn der abschied wartet
will ich dich bis zum nächsten mal verspüren
will von haut zu haut
deinem atem folgen
mich in deinen herzschlag fügen
noch einmal nah bei deiner seele sein
die hinter einer dünnen türe wohnt





Hermann Josef Schmitz






2 Kommentare 3.6.10 06:58, kommentieren

Gute dinge




Von den guten dingen liebe ich das feuer
und das schwarze silber der sterne
am gürtel der nacht.


Schwarzes silber und die alten worte,
mit denen man zum ritter schlug:
Diese drei schläge ertrage und keinen mehr.


Von den guten dingen liebe ich den tag,
wenn der frühling das zaumzeug auf gute pferde legt,
blaues zaumzeug
und rosa sattel.
Jedes jahr kehrt er wieder,
der frühling ist ein guter vorsatz.


Von den guten dingen liebe ich unsere liebe,
die alte,
die nicht rostet,
und ich sage dir wieder und wieder:
Sie ist gestern,
wird heute sein
und war morgen.


Diese drei schläge ertrage und keinen mehr.





Jan Skácel




pfingstrosen 01


Und zwei musikalische Sequenzen von BAP mag ich zum Wochenende einfügen: Wolfgang Niedecken & Complizen - Nie met Aljebra , weil es den Nerv der Zeit trifft. Zu Recht hat er am Samstag in Bonn gesagt, dass er schon vor vielen Jahren auf die Missstände in Internaten hingewiesen hat. Und da wollte man es nicht hören ...


Und das Tribute to Sheryl Hackett die BAP einige Jahre so sehr geprägt hat und so früh sterben musste.


Ich wünsche Euch ein sonnen- und sinnenreiches Wochenende.



4.6.10 17:01, kommentieren

Scherbenfinger




der kleine junge
der so gerne geschwommen wäre
zum spielen blieb keine zeit
selten der geschmack von orangenlimonade
er trug seinen ersten sonnenbrand
wie eine kleine trophäe
es galt was die grossen sagten
die kirchen waren kühl
schattenmänner hörten hinter gittern
ungezähmte dinge
aber sie erlösten die kleine seele nicht
später blieb der geruch
von geschnittenem junigras
an der senke zum wald
die heimlichen feuer
und die hände mit ihren scherbenfingern






Hermann Josef Schmitz



samstagsfrühe 03


 samstagsfrühe 02


 samstagsfrühe 01



5.6.10 07:02, kommentieren

Belladonna




Ein Tropfen
in jedes Auge –
es brannte kaum


Dann schickte man mich
auf einen Spaziergang:
das Gift sollte wirken
die Pupillen sich weiten
zur Untersuchung –


Ziellos lief ich
durch die Straßen
die plötzlich
zu leuchten begannen
zu strahlen
heller und heller
Welcher Ausbruch
von Festlichkeit!
Rausch des Sehens!
Welches Gleißen!
Jedes Ding entstellt
entrückt
von nie geschautem Glanz!
Prozessionen verklärter
Gestalten wandelten
auf mich zu
Insel der Seligen
Lichtpalmen winkten
mitten im Verkehrsgebraus
während ich weiterlief
im Taumel –


Meine Netzhaut
ausgesetzt
wehrlos


gegen die überbelichtete
Schöpfung


die grundlose
Ekstase


die Klinge
aus Licht




Ludwig Steinherr





samstagsfrühe 04


2 Kommentare 6.6.10 08:34, kommentieren

Wir




wir waren ein blatt
an einem baum in kräftigem grün
wir teilten uns die adern
durch die von haut zu haut
das leben leise trieb
du warst die linke seite
dieses blattes
war ich die rechte seite
und hielten unsere
leichten flügel
an des blattes starker mitte
die haut im licht
wenn du die sonne sogst
war ich dein schatten
wenn die luft
an dir den klang der töne probte
war ich die schatzkiste
die sie speicherte
und manchmal
wenn der wind uns stark genug war
dann wehten wir zueinander
deines blattes hälfte und die meine
und das leben hielt uns
in der mitte
und wir wussten
es war gut

 





Hermann Josef Schmitz



1 Kommentar 7.6.10 07:05, kommentieren