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Erröten




mitten im leben
ein ausgewachsener baum
erst spät hatte die haut
feine risse bekommen
war an manchen stellen spröde
ab und zu knarrte der wind
im rauen geäst
lösten sich blätter
verdorrte ein zweig
er stand immer da
war verwurzelt
durchlässig in allen jahreszeiten
hütete im sommer die schatten
im winter den himmel
immer stand er
manchmal anderen im weg
blieb widerspenstig und eigen
dieser aufrichtige baum
vergass nichts was
in seinem beisein geschah
an seinen flanken
dieses wachsende moos
aus gesammelten worten
weinen und lachen
schweigenden küssen
so ausgewachsen kam es immer noch vor
dass er errötete
wenn zwei sich an ihn lehnten
nicht lassen konnten
nicht lassen wollten
dann vibrierten seine wurzeln
die äste raunten
umarmten einander
und schwiegen voll freude danach






Hermann Josef Schmitz



thun 01



1 Kommentar 1.5.10 08:25, kommentieren

fruchtbares land nie



dass ich im ab
ruf warte ein
lebenslang auf
schluss zu
stimmung in
den eingeweiden ein
schweres blühen im
kopf bald
schädeltraumaknospen
das weiss ich





Albert Ostermaier




thun 02 



thun 03


Und wer aus der Nähe von Thun ist, für den lohnt sich auch bei Regenwetter ein Ausflug zum Töpfermarkt im Gwattzentrum Thun , wo unsere liebe Standnachbarin aus Luzern, Veronika Müller mit ihren fabelhaften Kunstwerken vertreten ist. Und Kombinationen mit Glasperlen und Ton gibt es auch ...


thun 04 



thun 05




Und noch was zum Hören an diesem Regentag:
Sam Cooke - Summer time and the living is easy


1 Kommentar 2.5.10 11:04, kommentieren

Durchlässig




nie ist das grün
der bäume lichtdurchlässiger
raps blüht die hänge hinauf
strassen haben sich geputzt
an jeder ecke kleben duftstreifen
fingervergessene zärtlichkeiten
wachsen unschattiert
in den sonnenwinkeln
gras und regenblumen
verwittert die stadt in der ferne
vergisst nichts
das echo der küsse
der leisen berührungen
lagert im blau




Hermann Josef Schmitz


1 Kommentar 3.5.10 07:26, kommentieren

ich war's nicht




Liebes Leben, fang mich ein,
halt mich an die Erde.
Kann doch, was ich bin, nur sein,
wenn ich es auch werde.


Gib mir Tränen, gib mir Mut,
und von allem mehr.
mach mich böse, mach mich gut,
nur nicht ungefähr.


Liebes Leben, abgemacht?
Darfst mir nicht verfliegen.
Hab noch so viel Mitternacht
sprachlos vor mir liegen.





Konstantin Wecker (1980)



Sehenswert die Vernissage von Heike Daiber am 08. Mai 2010.


Und heute und in den nächsten 2 Tagen Daumen drücken für meinen Sohn Christian, der seine Ausbildungsabschlussprüfungen schreibt.



4 Kommentare 4.5.10 07:22, kommentieren

Geschenk



I


wir hatten von worten gelebt und waren hungernd geblieben die sehnsucht fütterte die abnehmenden stunden strassen im verwitterten regengeflecht einengungen die gedanken blieben auf beschleunigung einklänge wechselten mit ausklängen wolltest du ankommen bleiben verbleiben dir ungewohnt bleiben und doch bleiben teilen und die stille enthäuteter regen der schmerz war ein fenster zum gewöhnlichen leben ohne aufregungen erlebnisplänen künstliche spannungen nichts von notwendigkeit manchmal brauchtest du nichts als aufgehende bäume keimende flüsse atemräume einen mund ohne wort



II


stille war ein geschenk zeitlos kostbar und selten gab es keine regeln das glück konnte ein ungefährlicher sonntag sein eine vergangenheit die sich durch ein buch zog ein meer das in der ferne aufriss ein vergessener stern aus regengold



III


nähe war ein anderes geschenk kostbarer sie entfaltete sich nur wenn sie frei sein durfte liebe war das grösste geschenk wenn sie unbedingt war deine liebe

 




Hermann Josef Schmitz




3 Kommentare 5.5.10 07:15, kommentieren

ich streute mir brot aufs salz




kramte den spaten aus schätzte die mitte
zerteilte mich


machte ein ende
dem aussitzen des schweigsamen vaters
auf dem rain auf der schwelle stand ich
doppelt auf und davon als ich ankam


zerstreut erhob sich der vater
hängte den wehen blick an den nagel
gerade ging er
auf dem streifen des verbliebenen jahres
kam er zu sich


und die mutter führte mich endlich
von der schwelle ins zimmer zog sie


allein gelassen floh einzig
mein verbliebener schatten
schreiend über die tenne davon




Róža Domašcyna


6.5.10 07:19, kommentieren

dieses eine leben

 

die luft
löschte die regenworte
wie papier
nichts blieb beschreiblich
grün dieser tag
von gesicht
zu gesicht
immer noch staunend
immer noch neu
dieses leben
die luft
löschte die regenworte
wie papier
nichts blieb unbeschreiblich
blau dieser himmel
von anfang
zu anfang
immer wieder staunend
immer wieder neu
dieses eine leben

 

 


Hermann Josef Schmitz

 

Heute schicke ich besondere Grüsse zu Leuchtzeichen und zu Petra Grupp. Einen besonders schönen Tag heute und ein leuchtendes neues und mit schönen Überraschungen und Begegnungen erfülltes Jahr.

Auf das das Wochenende Sonne bringe ... 





1 Kommentar 7.5.10 07:28, kommentieren