Wortgarage

Archiv

Kronenhalle




I.
Ich bin an wenigen Orten daheim
Im Haus über dem See
Auf der andern Seite des Monds
Auf der Bühne des Schauspielhauses
Umstellt von Kulissen
Und in der Kronenhalle
In Mutter Zumstegs Reich


Die Leberknödelsuppe dampft
Aldo kommt mit dem Wagen angerollt
Und ich denke über einen Auftritt der Giehse nach



II.
An den Nachmittagen zwischen drei und vier
Am Tisch
Zwischen den Glasscheiben


Wie hinter Silberstaub schläft die Katze
Auf der Bank in der Ecke
Kein Gast wagt sie zu stören
Vor blauen Tramwagen manchmal
Bewegen sich die Vorhänge


Geisterhaft auf die gleiche Scheibe gespiegelt
Erscheint aber auch
Mein Gesicht und die fernere Theke
Schiebt sich
der Hintergrund vor den Vordergrund



Friedrich Dürrenmatt



Heute ist Schweizer Nationalfeiertag und ich freue mich auf Dich, Wunderbare und auf alle Schweizer, die ich morgen abend treffe.

 

 schweiz 01

1 Kommentar 1.8.09 16:48, kommentieren

Am und hinter dem Meer ... 17.07.2009





I


windstreifen. in alten bildern andere farben. farben deren leuchtenden glanz du nicht kanntest. das meer grün bis zum gewitterblauen horizont. auf verschlungenen buchstabenwegen keine worte für das sagen müssen was verbindet. leuchtender flox schwertlilien übrig gebliebene mohnkapseln immerwährendes aufgehen und vergehen. fingerzeige plakate steinernes meer und beharrlich dem folgen was antreibt.




II


nicht nachlassen auf dem weg. aber bereit sein sich noch stärker zu finden auszudrücken sich selbst zu sein und zun genügen. im eigenen spiegel antworten finden gedoppeltes licht bereichertes auge aufgefülltes atelier. hinter der stirnseite purpurwolken papierheller fingerhut wie ein gespannter bogen die weite unter dem verhangenen schriftsatz in grau.




III


verlassene jahre hinter farben gebannt. winzige risse und die sprache der hände atmen aus einer aufgefalteten zeit. lichtbewegungen grasstriche wolkenzüge verzweiflung und dennoch - beharrlichkeit. sätze aus der stille bleiben beständig wie das bleigraue meer das gelb der sonnenbewegten schwarzen herzen. moosweich die haut der gereiften gerste. in deiner halsbeuge der geruch von zimterde grasfeder schokoladensalz.




IV


in neuen farben verfangen ... glühendes grün geschriebenes holunderrot flutende hortensien in blau und weiss der schoss deiner zärtlichen hände.



V


schwertmuschelwolken. weisse trennlinien. karminrotes sonnenzelt. ein himmel wie ein meeresboden verwurzelt strudelnd saugend immer bewegt. mitten durch blaue inselgruppen zieht jeden abend der traum von blühenden schläfen hinter dem ausgeuferten satz.

 

 

Hermann Josef Schmitz





 

Und mein neustes Poem ist ein Kommentargedicht, das bei Helmut Maier im Blog nachgelesen werden kann.

 

 

1 Kommentar 2.8.09 08:43, kommentieren

Ohne Titel




"Ich will den Ton hervorbringen, der durch mein Leben entsteht."



aus "Messmers Gedanken" von Martin Walser

 

 

Heute wäre Dein Geburtstag gewesen ... Du fehlst ...

 

papa 02

Passend dazu etwas aus meiner Heimat, das auf der wunderbaren Seite von Steinreich war.

 

 

2 Kommentare 3.8.09 08:56, kommentieren

Du gingst




du gingst über waldlinien
an graskammern
und gemarkten feldern entlang
kinderhände vertrauten sich dir
brennesselzäune waren sichere grenzen
fingerhüte trugen ungeschriebene gesetze
fliegenpilze immer hüter der angst
aber hafer und gerste reiften früh
später der geschmack auf der zunge
von sattem weizenkorn
blieb unverändert viele jahre hinaus
der ton eines halmes zwischen den fingern
gingst du über waldlinien
an graskammern entlang
die gemarkten felder
waren geschnitten für immer
blieb dieser sommerhimmel
blaues bekenntnis




                                                              für P.



Hermann Josef Schmitz


4.8.09 06:41, kommentieren

Selbsterkenntnis




"Menschen, die sich mit sich selbst auskennen, begegnen sich anders als solche, die keine Übersicht über sich besitzen. Die Begegnungen sind wacher, sorgfältiger und interessanter. Auch deshalb ist Selbsterkenntnis ein hohes Gut."


Peter Bieri



Heute eine Reihe von Federbildern aus unserem Urlaub:

spo 18 


spo 32 


spo 34 

spo 36 


spo 37 


spo 38 


spo 39 


spo 40 


spo 41


3 Kommentare 5.8.09 07:05, kommentieren

Haut an Haut




wir verlegen
die worte ins später
jetzt flüstere ich
haut an haut
in der gewölbten dämmerung
verstreut sich dein atem
im hungrigen zimmer



Hermann Josef Schmitz


6.8.09 06:42, kommentieren

Abschied

 

 

"Helene nähte den Schlafanzug für Peter, das gleichmässige Treten liess sie ruhiger werden. Es sollte ihm an nichts mangeln, deshalb musste er fort, fort von ihr. Helene weinte nicht, sie war erleichtert. Die Aussicht, dass er es besser haben würde und jemand mit ihm sprechen würde, über dies und jenes und die Sonne am Abend, das machte sie froh. Helene nähte das Bündchen doppelt, und eine kleine Tasche nähte sie in das Oberteil. In die Tasche steckte sie ihren Ehering. Ein wenig Gold, das konnte nicht schaden. Die Tasche nähte sie zu. Sie legte den Schlafanzug zuoberst in den Koffer. Sie durfte ihm nicht sagen, dass es um den Abschied ging. Er würde sie nicht gehen lassen."

 

aus Die Mittagsfrau von Julia Franck



Ich wünsche ein schönes, sommerlich leichtes und beschwingtes Wochenende.

 

spo 30

 

 

7.8.09 06:40, kommentieren