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Wachsen dürfen




Eine Insel erfinden
allfarben
wie das Licht


In seinem Schatten
willkommen heissen
die Erde


Sie bitten
uns aufzunehmen
in Gärten


wo wir wachsen dürfen
brüderlich
Mensch an Mensch





Rose Ausländer


1 Kommentar 1.7.09 06:30, kommentieren

Blind II

 

sie kalkulieren
deinen aufwand
auf den abrechnungsbögen
gegen die zusammengedrückte
zeit zählt nur mehr
ertrag hinter den schrunden
im grauen hauttuch
bewegungen zahnloser wächter
endlose versäumnisse
verlorener zärtlichkeit

 

 

Hermann Josef Schmitz



Und für eine wunderbare Pädagogin heute zum Schulschluss eines ihrer Lieblingsstücke:

 

 

 

1 Kommentar 2.7.09 06:48, kommentieren

Bei einer Lesung von Ch. B.




Vor Abend
stob hin und wieder
ein Schwarm von Krähen übers Feld
damit das Korn tiefer leuchtete


So drangst du in die Wüste
löschtest die toten Gebirge aus
womit wir prahlen
Graues von Disteln
und das Geheul des Schakals


Tropfen sickerten
Rinnsal im Sand
grüne Spitzen
aus deiner Spur
stieg ein Kolibri



Margarete Hannsmann




Heute kommen Glückwünsche zu Beate, der Frau von Rainer (der auch diese Woche Geburtstag hatte), die eine wunderbare Freundin ist. Ich wünsche Dir eine segensreiche und behütete Zeit in Deinem neuen Lebensjahr, viele Spuren, die Du hinterlässt und viele Begegnungen, die reichhaltig sind. Bleib gesund und hab einen genussvollen Tag mit den Menschen und Dingen, die Dir wichtig sind.


1 Kommentar 3.7.09 05:49, kommentieren

Juli




I

hinter den grünen fenstern des flusses
trug der sommer die schritte über die unruhe hinweg




II

geduldige worte schrieben sich
ohne aufsehen in den ungeglätteten horizont




III

frauen legten ein geschmeide aus lichtblicken
und schattentänzen auf die geöffnete haut





Hermann Josef Schmitz





4.7.09 18:00, kommentieren

Von Glück reden




Ich kann
von Glück reden,
mit dir schweigen
zu können
und unsere Blicke
tauschen zu lassen,
was das Herz begehrt.





Hans Kruppa




Und bei der lieben Karin Soltermann in Facebook gefunden:



5.7.09 07:47, kommentieren

Jenseits der Worte

 

ich berühre deine schutzsperren
mit atemschritten
nähre ich deine tränen
jenseits der worte
ist vieles liegen geblieben
dem sprache gebührt
ich bepflanze deine unruhigen himmel
mit sommernachmittagsduft
nähre ich mich
am scheuen lächeln
das das gesprochene wort
anmutig bekleidet
 




Hermann Josef Schmitz


2 Kommentare 6.7.09 06:49, kommentieren

Sommernachtstraum




Schon leuchtet der Wald der Vogesen:
Komm mir nicht nahe.
Ich Dumme, ich Dumme,
mich mit der Welt einzulassen.


Ich
aß Brot, trank Wasser,
vom Winde umweht, vom Regen durchnä
ßt.
Deshalb hüte dich vor mir, geh fort.
Und schlie
ße die Augen fest.


Geh fort, geh fort, doch nicht zu Lande.
Schwimm fort, schwimm fort, doch nicht durch Meere.
Flieg fort, flieg fort, mein Guter,
ohne die Luft zu queren.


Sehn wir in uns mit geschlossenen Augen.
Sprechen wir uns mit geschlossenem Mund.
Nehmen wir uns durch die dicke Mauer.


Wir sind ein leicht komisches Paar:
Der Wald statt des Mondes scheint klar,
deiner Dame aber, Pyramus, treibt
der Wind den radioaktiven Mantel vom Leib.



Wisława Szymborska






juli 01

 

 

1 Kommentar 7.7.09 06:54, kommentieren