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Novemberfundstücke

 

 

november 92

 

zersplitterter schnee
entlang der verkanteten wege
gefallene schuppenfrüchte
ein himmelblau wie musik
tausend bilder im kopf
eine vergangene zeit
brüchig das blatt
in deiner starkgewordenen hand
erntest du licht
im aufkommenden weg





Hermann Josef Schmitz

 

november 89

Herzlichen Dank für die Fülle an Besuchen im letzten Monat ... es freut und berührt mich sehr.

 

 

3 Kommentare 1.12.08 06:48, kommentieren

Was man so braucht ...

 

Man braucht nur eine Insel
allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
den aber braucht man sehr.
 

 

Mascha Kaleko

 

 

 

 

 

2.12.08 06:34, kommentieren

Novemberblau

 

 

november 87 

 






auf der sonnenlichtung
wagtest du kaum
die stille
mit deinem atem
zu berühren






II




schneehänge blieben
verdeckte grenzen
hinter dem land


 

III






blühten bäume
allein durch ihre früchte
der kahlheit zum trotz
leuchtende reife
im geäst leichten blaus

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

november 93

 

 

Und als kleine Ergänzung heute noch ein schöner Link zu einem Adventkalender . Danke Beate, der ist sehr schön.

 

 

5 Kommentare 3.12.08 06:33, kommentieren

Weil du nicht bist wie alle andern

 

 

Weil du nicht bist wie alle andern,
weil man dich niemals kaufen kann,
weil mit dir tausend Sterne wandern,
weil du auch Wölfin bist und Lamm.

 

Weil du noch Mut hast, um zu träumen,
weil in dir Schmetterlinge sind,
und weil du Zeit hast, dich an Bäumen
halbtot zu freuen wie ein Kind.

 

Weil du das große Abenteuer
wie ein Geheimnis mit dir führst,
weil du nicht satt bist und das Feuer
so vieler Leben in dir spürst.

 

Weil du nicht bist wie alle andern,
weil man dich niemals kaufen kann,
weil mit dir tausend Sterne wandern,
weil du auch Wölfin bist und Lamm.

 

Weil Du noch in dir suchst und zweifelst,
auch wenn du dich dabei verlierst,
und deine Grenzen überschreitest
und weil du Recht hast, wenn du irrst.

 

Weil du Verbote einfach ausläßt,
weil du Gesetze haßt wie ich,
weil du dich täglich etwas losläßt,
weil du die Schatten kennst vom Licht.

 

Weil du ein Herz hast wie ein Bahnhof,
aus dem ein Zug auf Reisen geht.
Und meine Stimme sagt: fahr nicht los,
wenn du für immer von mir gehst.

 

Weil du nicht bist wie alle andern,
auch wenn du ausgehst wie das Licht,
und mit dir tausend Sterne wandern,
weil es dich gibt, liebe ich dich.

 

Klaus Hoffmann

 




Und heute nochmal ein anderer
Adventkalender.

Vielen lieben Dank lieber Rainer

 

 

5 Kommentare 4.12.08 06:44, kommentieren

Wenn Du willst

 

 

Du kannst
sie sehen
wenn Du willst
sie sitzen
in schmal erleuchteten nischen
sie stehen
in dunklen gängen
sie gehen
an verschlossenen mauern vorbei
schon viel zu lange
leben sie so
nur die eigenen worte
in ihrem gehör
fremdartig
der verlorene herzschlag
grau geworden
das flackern der augen
Du kannst
sie sehen
wenn Du willst
kannst Du ihnen
ein freundliches wort
in ihre hände legen
ein lächeln
auf ihre traurigen augen
und ihren herzschlag
momentlang leise beschleunigen
wenn Du willst
kannst Du ihnen
einen kleinen stern
in ihre dunkelheit legen

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

 

dezember 3

 

 

5 Kommentare 5.12.08 06:38, kommentieren

An Tagen wie diesen

 

 

Heute mal wieder ein etwas anderer Eintrag. Neben dem Songtext zu "An Tagen wie diesen" von Fettes Brot mit Finkenauer eine Aussage von König Boris zur Musik:

 

"Man darf sich nicht zu wichtig nehmen. Ich bin immer peinlich berührt, wenn ich Musikerkollegen erlebe, die von der künstlerischen und auch gesellschaftlichen Bedeutung ihres Tuns so überzeugt sind, dass sie nicht mehr aus dem Stuhl hochkommen."

 

Ich mag den Song und er hat eine schöne Verbindung zu meinem Sohn Christian (18), den ich eine Weile morgens mit in sein Praktikum genommen habe. Es war eine Maxi-CD, die ich ihm geschenkt habe und die wir ganz oft zusammen hörten. Später habe ich sie mir eine Weile ausgeborgt und auch alleine gehört. Irgendwann fand ich sie bei Youtube wieder und finde, sie muss heute hier sein.


Ich wünsche Euch ein schönes und sinnliches 2. Adventswochenende und ... morgen gibt es wieder was, was Ihr gewinnen könnt.

 

 

An Tagen wie diesen

 

 

 

Moin moin, was geht,
alles klar bei dir, wie spät?
Gleich Neun, okay.
Will mal eben los, Frühstück holen gehn,
schalt den Walkman an, zieh die Haustür ran,
lauf die Straße entlang, bis zum Kaufmannsladen,
denn da gibt’s die allerbesten Brötchen weit und breit,
kann am Tresen kurz mal lesen was die Zeitung schreibt:
Irgendwas von 'nem Großangriff,
unzählige Bomben auf 'ne kleine Stadt,
viele Menschen ums Leben gekommen
und dem Erdboden gleich gemacht in nur einer Nacht.
Ich zahle und verlasse den Bäcker,
hör noch den Nachrichtensprecher:
"Lage wieder mal dramatisch verschlechtert, heute fantastisches Wetter".
Plötzlich gibt’s 'n Knall, tausend Scherben überall,
die Nachbarskatze hat’s erwischt bei 'nem Verkehrsunfall.
Der Anblick kann einem echt die Laune verderben,
was fällt diesem Mistvieh ein hier genau vor meinen Augen zu
sterben?

Absolute Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio,
die Sonne lacht so schadenfroh
an Tagen wie diesen.
Niemand der mir sagt wieso
ob Frühstück oder Abendbrot,
die Fragen bohren so gnadenlos
an Tagen wie diesen.

Eine Million bedroht vom Hungertod nach Schätzungen der UNICEF
während ich grad gesundes Obst zerhäcksel in der Mulinex.
Seh’ ein Kind in dessen traurigen Augen 'ne Fliege sitzt
weiß dass das echt grausam ist, doch Scheisse man ich fühle nix!
Was ist denn bloß los mit mir verdammt wie ist das möglich?
Vielleicht hab ich’s schon zu oft gesehen man sieht’s ja beinah täglich.
Doch warum kann mich mittlerweile nicht mal das mehr erschrecken
wenn irgendwo Menschen an dreckigem Wasser verrecken?
Dieses dumpfe Gefühl, diese Leere im Kopf,
sowas kann uns nie passieren und was wäre wenn doch?
Und mich zerreissen die Fragen ich kann den Scheiss nicht ertragen
die haben da nichts mehr zu Fressen und ich hab Steine im Magen!

Absolute Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio,
die Sonne lacht so schadenfroh
an Tagen wie diesen.
Niemand der mir sagt wieso
ob Frühstück oder Abendbrot,
die Fragen bohren so gnadenlos
an Tagen wie diesen.

Was hat er gerade gesagt?, an so 'nem normalen Samstag
passiert auf bestialische Art ein ganz brutaler Anschlag
bei dem sechs Leute starben die Verletzten schreien Namen
diese entsetzlichen Taten lassen mich jetzt nicht mehr schlafen.
Und ich seh’s noch genau das Bild im TV
ein junger Mann steht dort im Staub
fleht um Kind und Frau.
Jetzt frag ich mich wie ist es wohl wenn man sein Kind verliert
noch bevor es seinen ersten Geburtstag hat
doch das übersteigt meine Vorstellungskraft.
Vielleicht waren die Attentäter voller Hass für den Gegner,
vielleicht gab es Liebe für Familie und sie waren sogar selber Väter,
manchmal wenn ich Nachrichten seh’ passiert mit mir etwas seltsames
denn auch wir sind Eltern jetzt,
haben ein Kind in diese Welt gesetzt.
Dann kommt es vor dass ich Angst davor krieg, dass uns etwas geschieht,
dass man den verliert den man liebt, dass es das wirklich gibt.
Mitten in der Nacht werd ich wach und bin Schweiss gebadet
schleich ans Bett meiner Tochter und hör wie sie ganz leise atmet.

Absolute Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio,
die Sonne lacht so schadenfroh
an Tagen wie diesen.
Niemand der mir sagt wieso
ob Frühstück oder Abendbrot,
die Fragen bohren so gnadenlos
an Tagen wie diesen.

Was für 'ne Wahnsinnsshow
im Fernsehen und im Radio,
die Sonne lacht dabei so schadenfroh.
Ich werd' die Bilder nicht mehr los
beim Frühstück und beim Abendbrot,
niemand der mir sagen kann wieso.

 

 

Fettes Brot

 

 

 

 

 

 

 

6.12.08 18:23, kommentieren

Aufgekratzte Stille

 

 

6.dezember5


 

 

aus grauer schlucht
dräut goldene flussbrandung
über den morgen
addiere ich die restlichen tage
des monats

des jahres
sie riechen
nach entzündetem licht
zerschnittenem nadelholz
aufgekratzter stille

 

Hermann Josef Schmitz

 

dezember 1

 

Und heute wieder etwas zum Verschenken "in eigener Sache":

 

Vor etwa einem Jahr erschien mein erstes Buch "Du gibst Grün für mein Blau". In meinem Blog zeige ich ab und zu ein Gedicht daraus, mehrheitlich sind die Gedichte aber aus diesem Jahr.

 

Gerne verschenke ich zwei dieser Bücher (auf Wunsch dann auch signiert). Voraussetzung wie beim letzten Mal: Hinterlasst bis einschliesslich nächsten Sonntag einen Kommentar hier und Ihr kommt mit in die Verlosung. Als weiteres Geschenk gibt es für die Dritten und Vierten in der Verlosung nochmals aus der Reihe "Aus Wortkästen und Glasgärten" jeweils 3 Postkarten nach eigener Wahl.

 

Und wer noch kein Geschenk haben sollte und sich für meine/ unsere Kunst entscheidet ... einfach anmailen :-)

 

Ich wünsche Euch einen wunderbaren und sinnlichen 2. Advent.

 

 


 

blau für grün

 

 

 

5 Kommentare 7.12.08 09:00, kommentieren