Wortgarage

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Wohin?

 

 

wohin treiben die buchstaben und sätze von gestern, die du vergessen hast? wohin führt die treppe zur nacht, wenn schwarze traumlosigkeit im atem verbrennt?

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

1.9.08 17:36, kommentieren

Der Du Licht liebst

 

 

Der Du Licht liebst,
sollst nicht zur Finsternis gehen.
Der Du Gesellschaft liebst,
sollst nicht zur Einsamkeit gehen.

Mögest Du Dich ergehen am Ufer Deines Teiches Tag für Tag ohne Aufhören,
möge Deine Seele sich niederlassen auf den Zweigen der Bäume, die Du gepflanzt hast,
mögest Du Dich erquicken unter den Zweigen Deiner Sykomoren
und von dem Brot essen, das sie Dir geben.

Ich mache mir einen schönen Tag! Ich folge meinem Herzen
Tag und Nacht!
Ich lasse keine Sorgen in mein Herz!
Was sind die Jahre, die nicht auf Erden verbracht werden?

 

 

Altägyptische Weisheit

 

 

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1 Kommentar 2.9.08 18:18, kommentieren

Spätsommer

 

 

leben wuchert
hemmungslos
am fenster hinaus
in leisen strassen
schmiegen sich
spätsommerschatten
verführerisch
über erhitzte haut
lichtträume
leuchten wie
wasserfedern
über hellem gestein

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

 

 

 

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3 Kommentare 3.9.08 19:16, kommentieren

Zuspruch

 

 

Irgendwo vorn
in der nebligen Zukunft
segelt die Hoffnung.

Angeseilt
an ihrem Schlepptau
höre ich noch
bei Windstärke zwölf
ihren Zuspruch:

Es wird schon werden!

 

Olly Komenda-Soentgerath

 

 

Indien 1

 

© Rainer Dietz

 

 

2 Kommentare 4.9.08 07:52, kommentieren

Seidenflüsse

 

 

sattblauer himmel
streichelte sich unter verbliebene haut
in gläsern aus sand
reiften die ufer des sommers
schwalben sammelten sich
auf stromlinien
die in die weite trieben
am horizont
verschwanden seidenflüsse
unendlich

Hermann Josef Schmitz

 

 

entstanden nach einer Perle von Annemarie Aeschbacher

seidenflüsse

5.9.08 06:32, kommentieren

Spuren

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Pressetext: 

Am 10. September treffen im Innenhof der Saline 4 Poesie in Worten und Bildern aufeinander. Bea Béoletto und Hermann Josef Schmitz lesen ab 18:30 Uhr aus ihren Gedichten, Petra Grupp wird den ganzen Tag an ihren Bildern arbeiten und sie zeigen. Alle drei haben in der Vergangenheit durch verschiedene Veranstaltungen sowohl in Bad Rappenau als auch in der Umgebung auf sich aufmerksam gemacht.


Die Poesie von Bea Béoletto und Hermann Josef Schmitz ist sehr unterschiedlich. Sie entdecken aber beide Spuren, sowohl mit den inneren als auch den äusseren Augen. Vielfach geht es um das, was Menschen umtreibt, geht es um Wege, auf denen sie reisen. Reisen, um anzukommen und doch immer wieder zu suchen. Geht es um Räume und Zwischenräume, um Anfänge und Endpunkte. Mal ist der Blick zärtlich, ein anderes Mal kritisch und hinterfragend.


Petra Grupp hinterlegt in ihren Bildern Stimmungen, Eindrücke, Aufbrüche und Blüten. Ihre Bilder sind von hoher Intensität und erfordern mindestens einen zweiten Blick. Ihre Farben sind wortreich und versammeln die Fülle des Lebens.


Freuen Sie sich auf einen spannenden und stimmungsvollen Abend. Eintritt mit Dauerkarte oder gültiger Tages-/ Abendkarte.

 

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Traumhände

Ich träumte nachts und konnte sie sehen,
ließ diese Hände lautlos über mich ergehen, sie waren so sanft, so zart und so rein
wollten ganz nah an meiner Seele sein.
Nichts hielt mich ab von diesem Sinnesrauschen-
konnte die Sanftheit ins Unendliche bauschen,
wir konnten grenzenlos Seele und Körper teilen,
verborgene Emotionalitäten von Realitäten befreien,
um erlebte Gefühle so leicht zu tragen
und nicht nach Ziel und Ergiebigkeit fragen.
Der Liebe im Traum galt Raum und Zeit
jäh durchbrach der Morgen die ersehnte Zweisamkeit.


 

© Bea Béoletto

 

bilder dezember 07 068

© Petra Grupp 

 

Feuerschnee

leise
gehst du
leise
gehst du
in meine gedanken
ich spüre es
am zittern
meines herzens
an den tränen
die die fenster
meiner seele hellen
leise
gehst du
deine worte
brennen
feuer
schnee
fällt

 

© Hermann Josef Schmitz

 

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5 Kommentare 6.9.08 13:18, kommentieren

Fliessen

kiesel2

 

 

manchmal stand blut beinahe still in den flüssen und dein herz kam nicht aus der enge. wenn du den schweigeräumen entkamst, fanden in der stille ausklingender tage worte wie von selbst gestalt. das leben schien wie ein fluss zu sein, die fülle unendlich vieler wassertropfen. wenn du gingst, versuchtest du den moment zu erfassen und zu halten. aber er entkam sofort wieder. augenblicke waren wie kiesel, die du dem wasser entführtest. ihre feuchte steinhaut glänzte im licht und trocknete als erinnerung weg. es blieb das gefühl dieser steine in deinen händen, manchmal schmeichelten sie dir, glatt geschliffen und beinahe weich. andere steine blieben kantig und hinterliessen spuren auf deiner haut. tagelang spürtest du diese eindrücke, später blieb einzig eine erinnerung. das leben war ein einziger fluss, der voran trieb. es gab tage, an denen grosse worte wie schiffe einen keil ins wasser trieben. an anderen tagen schien das wasser zu stehen, kaum fächerte ein wind die warme oberfläche. und doch bewegten sich unendlich viele wassertropfen immer nach vorne. leben suchte sich seinen weg, manchmal war es gut, nicht darüber nachzudenken. leben gelangte immer zum ziel.

Hermann Josef Schmitz

 

  kiesel1

7.9.08 09:43, kommentieren