Wortgarage

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Unser Arbeitsplatz

 

 

"Wenn sie dieses Gebäude betreten, bitte entscheiden sie sich dafür, diesen Tag zu einem guten Tag zu machen. Ihre Kollegen, Kunden, Mitarbeiter und sie selbst werden ihnen dafür dankbar sein. Finden sie Möglichkeiten, spielerisch an die Arbeit heranzugehen. Wir können unsere Arbeit ernst nehmen, ohne dabei uns selbst über die Maßen ernst zu nehmen. Bleiben sie am Ball, damit sie präsent sind, wenn ihre Kunden oder Mitarbeiter sie brauchen. Und wenn sie merken, dass ihre Energie nachlässt, so gibt es ein absolut sicheres Gegenmittel: Finden sie jemanden, der Hilfe braucht, ein Wort der Unterstützung oder einen aufmerksamen Zuhörer - und bereiten sie ihm einen schönen Tag."

 

Heute eine meiner Lieblingsgeschichten aus dem fabelhaften Buch FISH!. Ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende und schicke Euch beste Grüsse.

 

  

1.8.08 17:30, kommentieren

Es gab sie

 

 

dämmerung schob sich wie ein fluss über die wege. an den rändern der wälder lagen die letzten lichtflecken und verbrannten ins nichts. sommer hatte sich heftig in wiesen und felder tätowiert. schon dunkelten die abende schneller und die abgeschnittenen felder glänzten wie feuchte teppiche. einen moment lang hattest du lust, die schnittstellen der ähren auf deinen nackten fusssohlen zu spüren. der gedanke verschwand wieder, ankommende dunkelheit entschärfte die kanten von blättern und gräsern.

 

am ende des weges bliebst du stehen, ungebändigt der herzschlag und wortlos das verlangen nach luft. was war geschehen? wieder hattest du hürden genommen, grenzen passiert und widerworte gepflanzt. sie würden nicht mehr mit dir zufrieden sein, weil du das vertraute schema verlassen hattest. sie - flüchtige begegner, unachtsame zuhörer und parteiische wortbeharrer.

 

am ende der lichtung stand eine schranke. sie war wie der eingang in ein anderes leben. und doch wusstest du um all das vertraute, auf das du dich verlassen konntest. im frühling würde das grün der bäume sich leuchtend verschwenden und gras würde über die wegraine fluten. im sommer würden die tiefgrünen blätter das dach zu bekannten tempeln sein, die doch immer aufs neue geheimnisvoll blieben. und es würde sich wiederholen, in allen jahreszeiten würde grün kommen und gehen und du konntest dich darauf verlassen.

 

das war es, was dich trug. all das verlässliche, menschen, die sich und dir treu blieben, deren stimmen einen mantel um dich legten, wenn du nicht mehr wusstest, woher du kraft nehmen solltest, wenn es darum ging, einfach die tage zu überstehen. und gleichzeitig warst du voller freude auf das, was kommen würde und neu war. die steine würden anders glänzen, hinter den flussbiegungen würdest du neu überrascht sein und du würdest neue menschen kennenlernen. es gab sie - herzenswarm, aufrichtig und voller freude am leben.

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

 

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1 Kommentar 2.8.08 10:53, kommentieren

Hoffnung

 

 

Ich bin.
Wir sind.
Das ist genug.
Nun haben wir zu beginnen.
In unsere Hände ist das Leben gegeben.

 

Ernst Bloch

 

 

2 Kommentare 3.8.08 07:40, kommentieren

Ernten

 

 

sie mähen
und mähen
gegen die richtung
gegen den strich
trennen die atemschnüre
enthüllen die kelche
bis zu den wurzeln
aus licht
sammelst du liegengebliebenes
verliest es zu neuen worten
mit atemschnüren
verwebt

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

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1 Kommentar 4.8.08 07:19, kommentieren

Glücklichsein

 

 

"Glücklichsein heisst, ohne Schrecken seiner selbst innewerden können."

 

Walter Benjamin

 

 

 

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Norwegen © Rainer Dietz

 

 

1 Kommentar 5.8.08 06:54, kommentieren

Entkommen

 

 

ich vergrabe mich
im schattenblau
geschriebener worte

und entkomme
in eine andere welt

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

 

6.8.08 06:55, kommentieren

Games Over

 

 

"Der Philosoph Peter Sloterdijk beschreibt die Spiele in Peking in einem grossartigen Interview im Spiegel als den grössten Aufmarsch der Gedopten, seit der erste Mensch einen Stein schleuderte. Es sind dies die Spiele, mit denen allmählich das Ende des Sports, wie wir ihn kannten und kennen wollten, eingeleitet wird, weil Doping an der Tagesordnung und doch nur gelegentlich nachzuweisen ist. Es sind dies die Propagandaspiele in einer Parteidiktatur, in der die Menschenrechte nur "noch nicht voll verwirklicht" sind. Es sind dies Spiele für die Sponsoren, für internationale Grosskonzerne, von denen wir uns alle bewusst machen sollen, dass sie es sind, die den olympischen Traum erst ermöglichen."

 

Auszug aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 2. August 2008 unter dem Titel "Wir sind's nur" - Morgen geht die Olympiade los.

 

 

 

1 Kommentar 7.8.08 06:39, kommentieren