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Die Welt die monden ist

 

Heute mal Rilke via youtube - viel Freude dabei ...

Heute beginnt die 2. Hälfte des Jahres 2008.

 

2 Kommentare 1.7.08 06:48, kommentieren

Sehnsucht

Bild 002  

Ich ging in die Dämmerung. Weizen stand kurz vor der Reife, ich schaute Maisfelder entlang, deren Grün einen Schimmer in die Weizenfelder warf. Alles schien sorgsam bestellt. Wiesen waren gemäht, getrocknete Reste von Gras hielten die Wärme des Tages fest. Die Luft stand still, ohne Ecken und Kanten, kein Wind in der Ferne. Nur die taubenblauen Wolken schienen wie getrieben und doch bewegte sich nichts. Ich ging in die Dämmerung, schnell, als könne ich den Rest des Tages festhalten. Er liess es nicht zu, die Wolken dunkelten und die Blätter, die längst die Transparenz verloren hatten, verloren ihre Farben ins Schwarz. Ich ging ohne Ziel und doch die Zeit entlang. Längst waren die Gärten verschwunden, das Gewirr der Stimmen hat sich bis zur Unkenntlichkeit verflüchtigt. Vereinzelt sah ich Windnarben in den Feldern, irgendwo mittendrin endete eine Stromleitung, ein letzter Mast stand mahnend mitten im Feld.

 

Nach einer Weile erloschen die letzten Glutränder, das Feuer des Tages schien zu vergehen. Das Jahr hatte sich geteilt, heute schloss der erste Tag der zweiten Hälfte die Fenster. An aufgeworfenen Hängen blühten Kamillen, weisser Klee und Wicken, deren blassrosa Ton sich im Schwarzgrün verlor. An der Kreuzung änderte sich der Geruch der Luft, sie schien für einen Augenblick wärmer, weicher und anschmiegsamer. Ich hatte die Kontrolle über meinen Atem verloren, die Gedanken waren erfüllt von der Stille, aus der ich kam, voller dunkler Farben und Gerüche, die nur dieser Tag so haben würde. Morgen würde geschnittenes Gras von Neuem wachsen und der Weizen würde sich weiter im Licht verschenken. Wieder würde Mais Spalier stehen und das Stimmengewirr sich verflüchtigen im leuchtenden Grün.

 

An der Kreuzung spürte ich das fremdgesteuerte Leben wieder. Autolichter höhlten die anschmiegsame Luft, ihr Antrieb zerschnitt die verkommenen Gedanken und holte die Fragen zurück. Aus der Ferne sah ich Strassenlaternen, die sich ihrer Gewohnheit hingaben. Gerne wäre ich ihnen entkommen.

 

Es blieb an diesem Tag, an dem sich das Jahr geteilt hatte die Sehnsucht nach Tagen am Meer, Tagen ohne Entwürfe, herausgerissen aus dem Gestänge der aufgedrehten Zeit. Sehnsucht nach Stille und leise gewordenem Meer, das klaglos vom Ufer zurückkehrte ins Dunkel. Es blieb dieses Hungrige nach Salzluft, die sich unter die Haut treiben würde und vergessen liesse, dass die Zeit verging. Klaglos und ohne Entwürfe, hemmungslos gelebt.

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

2 Kommentare 2.7.08 06:45, kommentieren

Aus der Ferne

 

wenn du sprichst
aus der ferne
deine worte
über meine atemstrassen
laufen
wenn etwas
hängen bleibt
in mir
das meine gedanken
erregt
dann wechsle ich
die strassen
an den
unübersichtlichen
kreuzungen

 

Hermann Josef Schmitz

 

Herzlichen Glückwunsch Beate Dietz zu Deinem heutigen Geburtstag (gemeinsam mit Franz Kafka :-). Ich wünsche Dir gute Tage und immer die Prise Freiheit, die das eigentliche Leben ausmacht. Alles Gute für Dich.

 

 

Bild 001

2 Kommentare 3.7.08 05:57, kommentieren

Roses

 

 

Come into my garden,
My roses want to see you.

 

from a poem, anonymous, ca. 1700

 

 

 

2 Kommentare 4.7.08 05:52, kommentieren

Samstagnachmittag II

 

 

 

die fremdstimmen schweigen
dem du nicht trauen magst
du das abschalten verwalten und vermessen
in zerbrochenen spiegeln
suchst du nach deinem eigenen gesicht
entlang von hautlinien
liegen gebliebene zärtlichkeiten
mitten an einem samstagnachmittag
dessen sonne das geschnittene gras flutet
schaut dir die angst vor dem was kommt
wie ein alter vertrauter über die schulter
der blick beugt sich ins unvorhersehbare

 

 

Hermann Josef Schmitz

 

 

 

5.7.08 05:39, kommentieren

Geradestehen

 

 

"Das, was als gut und anständig gilt, gilt für alle. Ebenso wie die Frage, ob ich mich an dem Prinzip der Verantwortung orientiere: Bin ich bereit, für die Folgen meines Handelns - so weit ich sie überschauen kann und auch Einfluss auf sie habe - geradezustehen?"

 

Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen

 

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© Rainer Dietz

 

 

 

1 Kommentar 6.7.08 08:25, kommentieren

Glutnacht

 

 

blutrote nacht
brennt über
vergehende zeit
hinweg
gluträndernde spur
drängt sich
hinter wolkengestein
ins vergessen

 

Verfasser bekannt

 

gefunden bei artisanne

 

glutnacht1

 

 

© Annemarie Aeschbacher

 

 

 

 

 

1 Kommentar 7.7.08 00:08, kommentieren