Wortgarage

Stiller Nachmittag



im fenster
leuchtet scherenschnittgeäst
schwarz
nur der milchgrüne fluß
in der ferne
trennt die insel
der hände
streifen die dämmernde haut
ohne einverständnis



Hermann Josef Schmitz


26.12.12 00:42, kommentieren

Die frühen Jahre



Ausgesetzt
In einer Barke von Nacht
Trieb ich
Und trieb an ein Ufer.
An Wolken lehnte ich gegen den Regen.
An Sandhügel gegen den wütenden Wind.
Auf nichts war Verla
ß.
Nur auf Wunder.
Ich aß die grünenden Früchte der Sehnsucht,
Trank von dem Wasser, das dürsten macht.
Ein Fremdling, stumm vor unerschlossenen Zonen,
Fror ich mich durch die finsteren Jahre.
Zur Heimat erkor ich mir die Liebe.


Mascha Kaléko





25.12.12 16:49, kommentieren

Im Gefallen am Leben



durch winterwälder schlendern
während die zeit stehen bleibt
dem fall der sterne zuschauen
horizonte aufschneiden bis zum blau
stille blumen säen
dem glück die hand halten
ein fenster einhüllen
länder bereisen zwischen den bäumen
wenn nichts bleibt
außer dir selbst
glücklich werden im gefallen am leben
und noch mal eine rose schneiden
bevor es kalt wird



Hermann Josef Schmitz


Von ganzem Herzen wünschen wir begegnende und liebevolle Weihnachtstage. Verbringt viel Zeit mit den Menschen, die Euch lieb und wichtig sind und habt aber auch immer Zeit genug für Euch selbst. Genussvoll und sinnlich mögen die Tage sein, erfüllt von schönen Überraschungen und einem Herz voller Freude.






Wintertag im Emmental ... für uns der Ort dieses Jahres.



4 Kommentare 24.12.12 09:31, kommentieren

Resilienz




Wenn ein Mensch häufig in Drucksituationen ist beziehungsweise sich häufig unter Druck fühlt, kann er Stärkenorientierung wunderbar anwenden. Dazu muss er aber natürlich seine grö
ßten Stärken kennen und auch Situationen im Kopf haben, in denen er diese Stärken schon einmal angewendet hat.

Die Übung "Meine beste Seite"

Eine der effektivsten Übungen, um dies herauszufinden, ist, Menschen zu fragen, die einen gut kennen, von denen wir denken, dass sie uns ein ehrliches Feedback zu unseren Stärken geben werden und von denen man entsprechend denkt, dass sie ein ehrliches Interesse an unserer persönlichen Weiterentwicklung haben. Wir haben diese Übung "Meine beste Seite" genannt und es handelt sich um eine Abwandlung der "Reflected Best Self"-Übung des Center for Positive Organizational Scholarship der Ross School of Business in Michigan.

Wenn Sie die Übung machen möchten, gehen Sie bitte folgenderma
ßen vor:

  • Fragen Sie ein Minimum von fünf Personen aus Ihrem nahen Umfeld, ob diese bereit sind, Ihnen ein schriftliches Feedback zu geben. Dies können Vorgesetzte, Kollegen, eigene Mitarbeiter, Partner, Familienangehörige und Freunde sein. Sie entscheiden.
  • Wenn diese bereit sind, Ihnen ein Feedback zu geben, bitten Sie sie, Ihnen folgende zwei Fragen insgesamt drei Mal zu beantworten: Mit welcher Fähigkeit schaffen Sie einen großen Mehrwert und leisten Sie einen grossen Beitrag? Und: In welcher Situation hat die Person, die Ihnen eine Rückmeldung gibt, genau diese Fähigkeit beobachtet? Die Person soll Ihnen also drei unterschiedliche Stärken nennen und drei Situationen, in denen sie diese Stärken beobachtet hat. Es ist wichtig, dass die Person die Situation möglichst konkret beschreibt.
  • Sie werden am Ende von jeder Person drei Fähigkeiten und dazu jeweils eine beschriebene Situation erhalten, wenn Sie also insgesamt fünf Personen fragen, haben Sie fünfzehn Fähigkeiten und fünfzehn Situationen. Legen Sie dann alle schriftlichen Rückmeldungen nebeneinander und, es wird sicher Wiederholungen geben, suchen Sie die drei Fähigkeiten heraus, die am häufigsten genannt wurden beziehungsweise auf die Sie sich in Zukunft in Drucksituationen stärker fokussieren möchten.

 

Denis Mourlane aus "Resilienz"


Ich kenne Denis Mourlane und schätze ihn sehr. Diese Übung habe ich dieses Jahr zur Vorbereitung eines Seminars bei ihm gemacht. Sie bewegt viel und ich werde die Rückmeldungen, die ich von den Menschen auf die Fragen bekommen habe, in diesem Leben (und das ist keine Übertreibung) immer behalten. Es lohnt.

 

 

Ich wünsche Euch einen schönen und erholsamen 4. Advent und alles Gute.

1 Kommentar 23.12.12 09:51, kommentieren

Schade



"Die Dämmerung senkte sich über die neu erschaffene Welt, und es begann die erste Nacht.
Mit Siegermine, sichtlich mit sich zufrieden, mit einem Ständer, ausgebreiteten Armen kam Adam zu Eva und griff nach den schönen Brüsten seiner Gefährtin.
Die leise zurückschrak.
Schade, sagte sie, du bist so gar nicht mein Typ."



Jaques Sternberg aus "Der Uranfang" aus dem schönen Buch
"Moment! Die allerschnellsten Geschichten der Welt"







Ein schönes vorweihnachtliches Wochenende ohne solche Enttäuschungen ...

2 Kommentare 22.12.12 08:28, kommentieren

Idee



man müsste
einen atlas
der liebe zeichnen
beschreiben
damit verreisen
dann käme man an
in der liebe
zum eigenen leben
in einem anderen
vielleicht auch
müsste man
diesen atlas
als einen schatz
bei sich tragen
und mit der liebe
zum anderen leben
auf der reise bleiben



Hermann Josef Schmitz


21.12.12 21:34, kommentieren

Außenseiten



„Das muss schrecklich langweilig für Sie sein“, sagte Tine.
„Ganz im Gegenteil.“ Wir prosteten einander zu. Sie musterte mich.
„Ich habe das Gefühl, Sie zu kennen.“
„Das ist ein schönes Kompliment.“
„Nein.“ Sie lachte. „So meine ich das nicht. Ich habe das Gefühl, dass wir uns wirklich kennen. Persönlich.“
Ich war wieder versucht, mich ihr zu offenbaren, aber auf die halbe Stunde kam es jetzt auch nicht mehr an.
„Wie ist es für Sie, hier in der … Schlangengrube?“
Tine lächelte ironisch, fast wie Minka. „Ich habe gedacht, es würde gruselig werden. Wissen Sie, ich zählte früher, also damals“ sie wies auf das Transparent über der Bühne, „zu den Außenseitern. Zu den Leuten, die schikaniert wurden. Von dem da und den anderen beiden“ – sie nickte in Richtung des Triumvirats – „eigentlich aber von fast allen.“
„Oh.“
„Heute, rückblickend, bin ich fast froh darüber, dass sie mir Gelegenheit gegeben haben, mich mit mir selbst zu beschäftigen, meine Stärken zu entdecken. Ich musste nicht mit einer blöden Clique rumhängen, idiotische Musik hören und Starschnitte aus der BRAVO schnippeln. Wie diese Damen dort.“
Sie zeigte auf die Sabines drei.
„Die haben heute noch nicht begriffen, worum es im Leben geht, was das Leben ausmacht“, fuhr sie fort. „Vielen anderen hier geht es ebenso. Und das … ich schäme mich fast, es zu sagen. Es amüsiert mich.“




Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlages.
Entnommen aus: Tom Liehr. Sommerhit. Roman (c) Aufbau Verlag GmbH & Co KG, Berlin 2011.
Die Originalausgabe erschien 2011 bei Rütten & Loening. Rütten & Loening ist eine Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co KG.

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18.12.12 09:35, kommentieren