Die Neigung des Blau zur Vertiefung ist so groß, daß es gerade in tieferen Tönen intensiver wird und charakteristischer innerlich wirkt. Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels, so wie wir ihn uns vorstellen bei dem Klange des Wortes Himmel.
Wassily Kandinsky
Aus dem wunderbaren Buch "Blau die himmlische Farbe".
sei leise
wenn die hülle aufreißt
den lidern lass den platz
beim ersten blick ins licht
dann drängt die luft
der frühlingstage
in die flügel
sie falten aus
dann schließt das alte jahr
ein erster neuer flugversuch
aufs neue geht die reise los
sei leise
wenn das neue jahr beginnt
Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.
Bertolt Brecht
mein herz
schlägt maigrün
hinter fensterbrettern
gelber raps
lila flieder
regenflaum
blaue gerstenbeine
stehen aufrecht
im haar die schraffur
vorbeigegangenen windes
schnell vergehen blüten
reifen sommerfrüchte
wie selbstverständlich bald
im spiegel unsicherer zeit
maigrün schlägt
mein herz
Hermann Josef Schmitz
Und im Nachklang einer der berührendsten Songs aus dem BAP-Konzert vom letzten Sonntag in Köln.
"wir schlugen die rose im wasser auf
von den sommern gewiegt, und den stürmen gezerrt -
und haben mit sonnensüchtigen lidern
die wurzel im seegrund genährt, die keiner sieht --"
Wilhelm Deinert (*29.3.1933 +2.5.2012)
in einer schattenbeuge
möchte ich bei dir verweilen
will dich verführen ohne zeit
dir leise namen flüstern
voller zärtlichkeit
auf einer wimpernranke
will ich deine angst wegstreichen
mit fingern sanft und ohne zorn
will mich auf deinen häuten wieder finden
ich will in deinem warmen augenhafen ankern
entzwei’n den wind der nur geborgt
will ich mich dir verschenken
wie ein leichter frühlingstag
entrückt dem datum und der endlichkeit
Hermann Josef Schmitz
Mit dem Bild eines leuchtenden Zierapfelbaumes aus dem Schloßpark von Schloss Landshut in Utzenstorf schicke ich Euch Grüße ins Wochenende. Genießt alles, was Euch gut tut und sorgt gut dafür.
Der Seemann sehnt sich stets an Land. Dort ist die Heimat. Ist er eine Zeit in der Heimat, dann sehnt er sich in der Regel wieder aufs Wasser. Warum das so ist? Der Seemann kann das Heckenhöhenproblem des Nachbarn trotz guten Willens nicht erkennen. Wer Leben und Tod ausgesetzt war dort draußen, wer sein Leben schon einmal jenseits der Kante baumeln sah, der versteht nicht, wie man Glaubenskriege um Stelen in Tempo-30-Zonen führen kann. Da kann er nicht mit streiten, da kann er nichts zu sagen, da geht er wieder. Da mag nun der Psycholog' hinter dem Jägerzaun den Finger heben: Verdrängung! Da sagt der Seemann: Genau. Denn er weiß, seit Archimedes gilt: Ohne Verdrängung kein Leben, kein Überleben auf See.
Aus "87 TAGE BLAU - Logbuch einer Erdumrundung in Text und Fotografien" von Peter Schanz
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